Stillen

Warum überhaupt stillen?

Stillen ist zum einen ein wichtiger Grundstein zum Aufbau einer positiven Mutter-Kind-Beziehung und zudem von großer Bedeutung für die geistig-seelische Entwicklung des Kindes.

Wahrscheinlich hat es jede (werdende) Mutter schon einmal (oder auch mehrmals) gehört: Muttermilch ist die perfekte Nahrung für ein Baby. Sie enthält genau die richtige Mischung und Menge an Nährstoffen (Fett, Kohlenhydrate, Eiweiße, Vitamine), die ein Baby benötigt und dazu noch eine extra Portion schützender Antikörper. Darüber hinaus bietet sie noch so viele tolle Extras für dein Baby, die die Milchersatznahrung niemals bieten kann. Natürlich soll keine Mutter verurteilt werden, die nicht stillen möchte oder es auch nicht kann. Allerdings sind nur knapp 2% der Mütter nicht in der Lage überhaupt zu stillen.

Mutter und Kind bringen nämlich die biologischen Voraussetzungen für das Stillen mit.

Selbst wenn anfangs die ein oder anderen Schwierigkeiten auftreten (die es aber durch die richtige Unterstützung nicht geben muss!),  hat man sich sehr schnell an das Stillen gewöhnt und kann auch als Mutter das Stillen genießen und davon profitieren.

Muttermilch ist weit mehr als nur Nahrung. Sie verstärkt die emotionale Bindung zwischen Mutter und Baby und vermittelt Wärme, Liebe, Trost und Zuneigung. Gestillte Kinder entwicklen sich daher emotional besser und auch wir Mütter werden durch die Hormonausschüttung von Oxytocin mit Glücksgefühlen belohnt. Dieses lässt nicht nur unser Stresslevel sinken, wir können besser entspannen, sondern es unterstützt zudem unser mütterliches Verhalten und fördert so die intensive Beziehung zu unserem Baby. Dies lässt uns die Strapazen der Geburt besser und schneller verarbeiten und zudem fördert das Hormon Oxytocin die Rückbildung der Gebärmutter, da diese sich bei der Hormonausschüttung zusammenzieht.

Stillen ist also nicht nur eine wunderbare Sache für Babys sondern auch für uns Mütter. Nicht ohne Grund wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlen, ein halbes Jahr ausschließlich – und bis ins zweite Lebensjahr unter steigenden Mengen von Beikost zu stillen.

Hier noch einmal die wichtigsten Vorteile vom Stillen zusammengefasst:

  • Muttermilch enthält Proteine, Fette, Laktose, Vitamine, Eisen, Mineralien, Wasser und Enzyme – hierbei sind die Mengen genau auf den Bedarf deines Babys abgestimmt um ein optimales Wachstum und eine gute Entwicklung zu gewährleisten
  • Muttermilch enthält Substanzen, die das Wachstum gefährlicher Bakterien im Darm und dadurch Magen- und Darminfektionen sowie Durchfallerkrankungen verhindern
  • Gestillte Babys leiden seltener unter Mittelohrentzündungen und Infektionen der Atemwege. Sie entwickeln zudem viel seltener Allergien, Krebs, Kinderdiabetes und Übergewicht
  • Gestillte Babys haben ein geringeres Risiko für den plötzlichen Kindstod
  • Gestillte Babys entwickeln im Jugend- und Erwachsenenalter seltener Diabetes, Herzerkrankungen, Ekzeme, Asthma und andere allergische Erkrankungen
  • Auch für Frühchen ist das Stillen ein ganz wichtiger Aspekt. Nicht nur fördert es die Mutter-Kind Bindung, sondern senkt auch das Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEK)
  • Muttermilch fördert die Entwicklung des Gehirns
  • Muttermilch ist rein, frei von Bakterien und verfügt über antiinfektiöse Eigenschaften
  • Muttermilch hat genau die richtige Temperatur, muss nicht vorbereitet werden und ist immer verfügbar, wenn dein Baby sie braucht
  • Muttermilch spart Geld, denn sie ist kostenlos und man braucht kein Zubehör. Die AFS (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen) rechnet mit 750 Euro im ersten halben Jahr, die Stillmütter sparen.
  • durch das Stillen haben Mütter auch einige gesundheitliche Vorteile: es beugt Krebs, Osteoporose und Bluthochdruck vor:

Nach einer Studie von Wissenschaftlern der University of North Carolina Chapel Hill besitzen Frauen, die ihre Kleinkinder stillen, ein deutlich niedrigeres Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Bei Frauen, die ihre Babys stillten, trat ausserdem nicht nur Brustkrebs seltener auf. Auch andere Krankheiten, wie Eierstockkrebs, Osteoporose, Bluthochdruck und verschiedene Herzbeschwerden ereilten stillbegeisterte Frauen weniger häufig als Frauen, die ihre Kinder gar nicht oder nur wenige Monate lang gestillt hatten.

Quelle: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/stillen-beugt-brustkrebs-vor-ia.html

Darüber hinaus darf natürlich so lange weitergestillt werden, wie es für Mutter und Kind angenehm ist. Und ja, selbst ein Kleinkind von drei Jahren oder älter darf noch gestillt werden. Die Muttermilch ist mit drei Jahren definitiv keine komplette Mahlzeit mehr, aber wie bereits erwähnt, ist Muttermilch mehr als nur Nahrung- am Anfang und auch am Ende der Stillzeit.

Das Stillen eines Kleinkindes ist zwar oft ein eher ungewöhnliches, und für viele Menschen auch ein befremdliches Bild, aber das liegt einfach daran, dass die Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft sich geändert haben (Einführung von Ersatzprodukten wie künstliche Säuglingsnahrung und Folgemilch). Nicht jedoch die positiven Eigenschaften der Muttermilch. Die Inhaltsstoffe sind nach wie vor vorhanden und die Muttermilch passt sich dem Bedarf des heranwachsenden Kindes an – auch wenn wir heute durch äußere Faktoren nicht mehr so darauf angewiesen sind wie noch vor 1000 Jahren. Trotzdem bietet das Stillen einem Kleindkind genauso viele postive Aspekte, wie einem Säugling. Vielleicht nicht mehr als volle Mahlzeit, aber bei Müdigkeit, Schmerzen und Krankheit hilft die Muttermilch bzw. das Stillen nach wie vor. Kranke Kinder haben oft wenig Appetit, wollen manchmal auch wenig trinken und sind schlapp. Muttermilch bietet ihnen daher sowohl Flüssigkeit (gerade bei Fieber) als auch eine kalorienreiche Quelle, die gut bekömmlich ist und die dazu auch noch immunologische Eigenschaften hat, da sie nämlich Leukozyten enthält. Diese unterstützen die Abwehkräfte, indem sie das Immunglobulin A herstellen. Auch das in der Muttermilch enthaltene Laktoferrin hat infektionsabwehrende Eigenschaften, da es Organismen, die Eisen benötigen, hemmt. Lysozym, das die Darmflora positiv beeinflusst und entzündungshemmend wirkt, steigt im Laufe der Stillzeit sogar immer mehr an. Bei Müdigkeit und Schmerzen hilft das Stillen wiederum durch die Ausschüttung von Oxytocin und körpereigene Opiate, wodurch sich das Kind beruhigt und entspannen kann.

Es spricht also nichts gegen eine lange Stillzeit. Die meisten Argumente dagegen, sind in Wahrheit Vorurteile, die auf Unwissen beruhen.

Die meisten Kinder stillen sich von alleine zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr ab, aber es gibt auch Kinder, die auch nach dem 4. Geburtstag noch regelmäßig stillen wollen.

Das biologische Abstillalter liegt, laut verschiedenen Berechnungen der amerikanischen Anthropologin Katherine Dettwyler, bei mindestens 2,3 Jahren bis maximal 6 – 7 Jahren.